Welterbe Messel - Die Entstehung eines Naturwunders

 

Ein fast kreisrunder Einschnitt in der Landschaft, von Terrassen durchzogen, etwa einen Kilometer lang und rund siebenhundert Meter breit. Sechzig Meter tiefer schwarze Halden mit schieferartigen, dünnen Gesteinsplatten. Zwischen ihnen zu Stein gewordene Schätze des Lebens. Sie erzählen vom Anfang der Erdneuzeit, als sich das Leben nach einer schweren Krise neu formierte. Ihre versteinerten Dokumente legen beredtes Zeugnis ab - vom Beginn des Zeitalters der Säugetiere.

 



Foto SNG

Die Grube Messel bei Darmstadt gehört zu den bedeutendsten Fossilfundstätten der Welt – und sie ist das einzige Weltnaturerbe der UNESCO in Deutschland. Berühmt wurde sie durch ihre einzigartig überlieferten Säugetiere - Urpferdchen, Halbaffen und eine ungeheure Zahl von Fledermäusen.

 

Vor 47 Millionen Jahren lag die Grube Messel mehrere hundert Kilometer nach Westen versetzt und rund 1.300 km südlich, etwa auf der Höhe des heutigen Sizilien inmitten eines subtropisch-tropischen Lebensraums. Über zwei Millionen Jahre war der eozäne See ein prähistorisches Sammelbecken für die Lebewesen, die seine Ufer bevölkerten. Die Feinheit der Überlieferung verdanken die Fossilien den sauerstofflosen Tiefen des Messeler Sees und einer ungestörten Sedimentation.

 

In ihren versteinerten Überresten lesen Wissenschaftler wie in einem Buch. Längst hat sich die Messelforschung von einer rein beschreibenden Wissenschaft zu einem Forschungszweig gewandelt, der sich am besten mit Paläo-Öokosystemforschung umschreiben lässt. Mittels High-Tech-Gerätschaften versuchen die Forscher den Fossilien ihre Geheimnisse zu entreißen. In einem gewaltigen erdgeschichtlichen Puzzle setzen sie die Fakten zusammen und zeichnen ein detailgetreues Abbild einer längst vergangenen Lebewelt.

 


Letzte Änderung: 15.10.2009